Der VAR in Österreich

 

Der Video Assistant Referee – was er kann, wann er darf

Mit dem VAR kann der Schiedsrichter während des Spiels Video-Wiederholungen verwenden, um klare und offensichtliche Fehlentscheidungen zu korrigieren und schwerwiegende Vorfälle zu überprüfen, die übersehen wurden.

Dadurch soll der VAR den Fußball gerechter zu machen. Eine 100%ige Richtigkeit aller Entscheidungen ist jedoch nicht zu erreichen, weil dadurch der Spielfluss und die Emotionen des Fußballs zerstört würden. Deshalb haben die Regelhüter der IFAB genaue Vorgaben gemacht, wie der VAR weltweit einzusetzen ist. Die Maxime dafür lautet:

MINIMUM INTERFERENCE – MAXIMUM BENEFIT

 

Der VAR beobachtet das gesamte Spiel, kann jedoch nur in vier Situationen bei klaren und offensichtlichen Fehlentscheidungen korrigierend eingreifen:

Tore

Der VAR überprüft jedes Tor und hilft dem Schiedsrichter, mögliche Vergehen wie Abseits oder Fouls zu erkennen, aufgrund derer ein Tor nicht zu geben ist. Da das Spiel nach einem Tor unterbrochen ist, gibt es keine direkten Auswirkungen auf den Spielfluss.

Strafstoß

Der VAR sorgt dafür, dass Fehlentscheidungen bei Strafstößen nicht mehr vorkommen sollten. Gegebene Elfmeter werden überprüft, über fälschlicherweise nicht gegebene wird der Schiedsrichter informiert.

Platzverweis

Jede Szene, die einen direkten Ausschluss mittels Roter Karte zur Folge hat, wird überprüft. Ebenso werden rotwürdige Spielszenen, die der Schiedsrichter nicht wahrgenommen hat, diesem mitgeteilt und können anschließend geahndet werden.

Identitätsfeststellungen

Bei Verteilung von Gelben und Roten Karten wird ständig überprüft, ob der richtige Spieler sanktioniert wird. Dadurch wird vermieden, dass der falsche Spieler für ein Vergehen bestraft wird.

 

Grundsätzlich gilt bei der Begutachtung einer Szene „Genauigkeit vor Schnelligkeit“. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass rund fünf Situationen pro Spiel vom VAR gecheckt werden, wobei ein Check durchschnittlich eine knappe Minute dauert. Im Vergleich mit anderen Unterbrechungen wie Spielerwechseln oder Behandlungspausen ist dies keine große zusätzliche Belastung. Im Durchschnitt wird alle drei Spiele eine klare Fehlentscheidung geändert. Die Anzahl der richtigen Entscheidungen in den vier Einsatzbereichen steigt von 93 auf 99 Prozent an.

Die 12 Grundsätze des IFAB

  1. Der Video-Assistent (VAR) ist ein Spieloffizieller, der freien Zugang zu Videomaterial hat und den Schiedsrichter bei klaren und eindeutigen Fehlern oder übersehenen Vorfällen unterstützt. Der Videobeweis wird nur bei Toren, Strafstößen, Roten Karten und zu Identitätsfeststellungen eingesetzt.
  2. Der Schiedsrichter muss immer eine Entscheidung treffen, ihm ist es nicht erlaubt, keine Entscheidung zu treffen und später den VAR zur Auflösung zu verwenden. Wenn der Schiedsrichter auf „Weiterspielen“ entscheidet, kann diese Entscheidung überprüft werden.
  3. Die ursprüngliche Entscheidung des Schiedsrichters wird nicht geändert, bis die Video-Wiederholungen zweifelsfrei zeigen, dass die Entscheidung eindeutig falsch war.
  4. Nur der Schiedsrichter kann eine Überprüfung veranlassen; der VAR und die anderen Spieloffiziellen am Spielfeldrand können dem Schiedsrichter lediglich eine Überprüfung empfehlen.
  5. Die endgültige Entscheidung wird immer vom Schiedsrichter getroffen. Als Entscheidungsgrundlage kann er die Informationen des VAR verwenden oder die Videobilder selbst am Spielfeldrand überprüfen.
  6. Es gibt kein Zeitlimit für den Prüfvorgang, da Genauigkeit wichtiger als Schnelligkeit ist.
  7. Die Spieler und Teamoffiziellen dürfen den Schiedsrichter nicht umstellen oder versuchen, die Überprüfung zu veranlassen oder den Prüfvorgang bzw. die endgültige Entscheidung zu beeinflussen.
  8. Der Schiedsrichter muss während des gesamten Prüfvorgangs „sichtbar“ bleiben, um Transparenz zu gewährleisten.
  9. Wenn das Spiel nach einem Vorfall weiterläuft und dieser anschließend überprüft wird, werden Disziplinarmaßnahmen, die in der Zeit nach dem Vorfall ausgesprochen worden sind, nicht annulliert - auch wenn die ursprüngliche Entscheidung geändert wird (ausgenommen sind Bestrafungen für die Verhinderung eines aussichtsreichen Angriffs oder offensichtlichen Torchance).
  10. Wenn das Spiel nach einer Unterbrechung wieder begonnen wurde, darf der Schiedsrichter nur noch Identitäten oder rotwürdige Vorfälle, wie Tätlichkeit, Spucken, Beißen oder schwer beleidigenden Gesten, überprüfen.
  11. Der überprüfbare Zeitraum vor und nach einem Vorfall wird von den Spielregeln und dem VAR-Protokoll vorgegeben.
  12. Da der VAR automatisch alle Situationen und Entscheidungen überprüft, ist es nicht notwendig, dass Spieler oder Trainer eine Überprüfung verlangen.

 

Das VAR-Team

Pro Spiel besteht jedes VAR-Team aus drei Personen im VAR-Raum sowie einem Assistenten am Spielfeldrand:

VAR (Video Assistant Referee): Der Video-Assistent überprüft sämtliche Spielszenen und Entscheidungen, ist der Hauptansprechpartner für den Schiedsrichter und assistiert diesem bei der Auswahl der optimalen Videobilder und den Entscheidungen.

AVAR (Assistant Video Assistant Referee): Der Assistent des Video-Assistenten führt Protokoll über sämtliche VAR-Ereignisse und kommuniziert relevante Informationen bspw. an den TV-Berichterstatter. Wenn der VAR mit einer Überprüfung beschäftigt ist, überwacht der AVAR die Live-Bilder und kommuniziert ggf. mit dem Schiedsrichter.

RO (Replay Operator): der Operator ist die technische Vertrauensperson des VAR, bedient das VAR-System und liefert auf Vorgabe des VAR die passenden Bilder.

RA (Review Assistant): Der Review-Assistent unterstützt den Schiedsrichter bei der Überprüfung in der Review-Area am Spielfeldrand.

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